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Samstag, 21. Januar 2017

Eine Erklärung zu gestern...

"Was sind wir nur für Fans"

Den jüngsten "Bruch" zwischen Spielern und Fans in Bayreuth haben wir zum Anlass genommen, im Verbund vieler Aktiver der Dresdner Fanszene (Fanclubs und Vereinigungen gleichermaßen) die gesamte Woche über ein Für und Wider einer angemessenen Reaktion zu diskutieren und sind trotz der von jedem akzeptierten Entschuldigung unabhängig vom Vorfall in Bayreuth zu dem Entschluss gekommen, beim gestrigen Heimspiel sowohl bei der Einlaufshow, als auch die ersten 7 Minuten des Spieles zu schweigen.

Dabei ging und geht es nicht um ein Kräftemessen oder um das kindische Schmollen gegenüber einer Mannschaft. Es ging, wie erwähnt auch nicht explizit um Bayreuth. Es ging um ein Zeichen, was Fans für einen Club bedeuten, um Werte, die man auch als Club mit den Spielern pflegen und vermitteln sollte und es geht schlicht um Fankultur.

Der Dresdner Eishockeyfan hatte viele Jahre des Leidens und hat dabei einige Werte für sich manifestiert. Treue und Verbundenheit, sowie Zusammenhalt. All das ist jedoch seit einiger Zeit ins Bröckeln geraten. Dabei trägt der Fan natürlich selbst, aber auch der Club seinen Teil der Verantwortung, Fankultur, Werte und Identität tragen und mitleben zu wollen, sowie den Raum dafür aufrecht zu erhalten.

Bayreuth war nun letztlich nur die Spitze des Eisbergs. Wir alle sind gefragt, uns mit Themen wie Identifikation und Fankultur auseinanderzusetzen, uns selbst zu reflektieren und uns zu fragen, wer wir sind und wer wir sein wollen. Gemeinschaft oder zerstrittene Gruppen, Club mit Identität oder Plastik-GmbH.

Es ist zu spüren, dass der ursprüngliche Eishockeyfan, der seine Liebe zu seinen Farben nicht nach Siegen und Tabellenplatz bemisst, immer mehr zurückgedrängt wird.

Diese Kultur, der wir uns verschrieben haben, bedeutet: Leiden, Zittern, Jubeln, Singen, Reisen wer kann und das Team, die eigenen Farben zu unterstützen. Wir supporten nicht für Selfies mit Spielern oder Autogramme, wir tun dies für unsere Liebe, unseren Club. Wir kritisieren nicht, was wir nicht lieben und kämpfen nicht für etwas, was uns egal ist. Eishockeyfankultur ist für uns mehr als 60 Minuten ein Spiel zu schauen, ein Bier zu trinken, Becher zu werfen, Fanartikel zu kaufen und ansonsten alles still hinzunehmen. Wir leben den Sport, ebenso wie den Club mit jeder Faser in jeder Phase.

Wir alle sind ein kleiner Teil einer großen Gemeinschaft und die darf/soll auch mal streiten und unterschiedlicher Meinung sein, aber sollte am Ende immer zusammen die gleichen Werte vertreten und bewahren. Egal ob Sieg oder Niederlage, egal ob 5 oder 5.000 Fans. Es geht uns um gegenseitigen Respekt und nicht um Gepose und Winke-Winke.

Aus all diesen Gründen haben wir uns gestern entschieden, derart zu handeln und wie erwähnt von der Einlaufshow bis zum Ablauf der 7. Minute zu schweigen. Ein Zeichen, was es in unseren Augen brauchte, um zu symbolisieren, wie Eishockey ohne Fankultur aussehen würde.

Da wir nicht für alle sprechen können, haben wir unser Vorhaben gestern intern weitergetragen, informierten darüber und sind dankbar für jeden, der uns dabei unterstützt und zur Seite steht und damit unsere Werte vertritt. Wir akzeptieren und tolerieren jedoch auch jeden, der sich an unserer Aktion nicht beteiligt hat. Bitten aber darum, unseren Weg dann ebenso zu akzeptieren und zu tolerieren, statt unsachliche Äußerungen zu entgegnen.

Niemand von uns zweifelt den kurzfristigen finanziellen und sportlichen Erfolg des Clubs an. Es lässt uns aber nicht abstumpfen und so beschäftigen wir uns mit ungemütlichen Themen, die manche vielleicht nicht wahrnehmen und andere vielleicht auch nicht wahrnehmen wollen. Wir sind uns dem Risiko bewusst, damit keine offenen Türen einzurennen, sondern eher mit dem Kopf gegen Wände zu laufen, aber im Sinne der eigenen Werte und Ideale ist dies notwendig.

Uns ist klar, dass wir kein halbprofessionaler Standort mehr sind, mit maroder Halle und gleichem Kartenpreis für alle. Auch ist uns bewusst, dass Profisportler nicht stundenlang mit Fans in einem Foyer, wie damals üblich, Gespräche abhalten, was übrigens aus freien Stücken passierte. Wir haben Verständnis für die Professionalisierung zur Entwicklung der sportlichen und finanziellen Perspektive. Doch all das darf nicht im Gegenzug bedeuten, dass der Fan zum zweckdienlichen Mittel verkommt.

Es stimmt, dass viele Aktionen vom Club initiiert werden, aber wir messen Aktionen nicht an der Quantität, sondern Qualität. Womit holt man möglichst viele Anhänger ab, womit nicht. Es gibt funktionierende Themen, aber es gab und gibt auch eine Vielzahl an fraglichen Events, die meist nur ein Spektrum an Fans bedient, wenn überhaupt.

Ebenso ist aus unserer Sicht kein vorgelebter Wert, keine Identität erkennbar, die ein Club nach außen tragen sollte und durch die Fans verinnerlicht werden kann..

Wir werden bei all den Themenpunkten jetzt nicht ins Detail gehen oder öffentliche Diskussionen führen, aber wir sprechen Themen wie Werte, Identifikation, Slogan, Ticketing und vieles mehr an, was die Fanszene bewegt.

In Verbindung mit der Fanbetreuung sind wir bestrebt, wie bereits begonnen, mit der BG in regelmäßigen Austausch zu treten, um für uns relevante Themen zu erörtern, Fragen zu stellen, Ideen einzubringen und für die Basis zu kämpfen.

Wir sind gewillt, dies zu intensivieren und dabei noch protokollierter vorzugehen, um konstruktiv Themen anzupacken. Uns ist dabei auch klar, dass nicht all unsere Vorstellungen realisierbar sind, jedoch eben ein Miteinander zwischen BG und Fans, sowie Team und Fans auf Basis gemeinsamer Werte unabdingbar ist, um langfristig ein funktionierender Standort sein zu können.

Wir sind im Übrigen froh über jede aktive Beteiligung von Fanseite. Euer Mitwirken ist erwünscht. Jeder Fanclub, jede Vereinigung nimmt sich in Verbindung mit dem Fanbetreuer eurer Ideen oder Sorgen an, wenn sie denn geäußert werden.

Was das uns selbst betreffende Thema Stimmung angeht, so haben die letzten Jahre gezeigt, dass man Stimmung nicht herbeidiskutieren kann, sondern macht. Sie lässt sich nicht erzwingen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, seinen Teil dazu beizutragen, alte Geschichten ruhen zu lassen und andere Leute vorurteilsfrei zu begeistern und mitzunehmen. Die Kurve ist kein kritikfreier Raum, solang man fair miteinander umgeht und spricht. Die gestrigen 7 Minuten haben dazu ein sehr passendes Bild gezeichnet, wo jeder sich gern selbst reflektieren kann und sollte. Die Basis, um gemeinsam Dinge zu bewegen, zu verbessern und Zusammenhalt zu schaffen, ist und bleibt Akzeptanz! 

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