Donnerstag, 30. März 2017

Keine 48 Stunden Saison-Aus und es brodelt schon in der Gerüchteküche...

Hausmannskost oder Nouvelle Cuisine!?

Kaum sind wir raus, kochen die Gerüchte hoch, Stewart bleibt, Sacher mit Klausel auch, DEL-Goalie Eisenhut kommt (gilt als sicher!), der beste Bullyspieler geht wohl in den Süden, ein Umbruch soll kommen, das Team ein neues Gesicht erhalten. Viele zum Teil wilde und abenteuerliche Spekulationen, aber vielleicht auch viel Wahrheit. Eines ist klar, bleibt Stewart, so wird er weiterhin hohe Ansprüche haben und diese will er auch erfüllt sehen. Heißt, der Kader brauch noch mehr Qualität und Breite. Doch auch er muss liefern, wenn man mal ein Saisonfazit zieht.

Platz 4, Heimrecht in Runde 1 der Playoffs. Ziel erreicht, doch ganz so ist es nicht. Man wollte besser abschneiden als letzte Saison. Die Platzierung der Hauptrunde sagt ja, doch die Playoffs sagen nein, wenngleich man sehr knapp an Kaufbeuren und einem erneuten Halbfinaleinzug scheiterte. Gehen wir etwas tiefer in die Materie, stellen wir fest, dass wir lediglich 3 Punkte mehr als in der vergangenen Saison geholt haben. Die deutlich bessere Platzierung ist vor allem auf die nochmals ausgeglichenere Hauptrunde zurückzuführen.

Sei es drum. Stewart hat das Team defensiv unbestritten stabilisiert und einen wichtigen Schritt hin zum Spitzenteam vollzogen. Doch ein Spitzenteam wird man erst dann, wenn die Offensive ein höheres Level an Effizienz erreicht. Der Mangel der Saison war bei allen verschenkten Siegen oder unnötigen Niederlagen der gleiche, die fehlende Effektivität im Abschluss. Zudem hatte man von außen zu oft den wohlmöglich aber trügerischen Eindruck eines Charakterproblems. Trügerisch, weil das Team unter höchstem Druck stets am stärksten abgeliefert hat. Der nächste Schritt wird also für Stewart sein, das Team offensiv nochmals zu verstärken und im Mannschaftsgefüge etwas frischen Wind zu erzeugen, ohne die defensive Grundordnung zu gefährden. Zauner und Schmidt (seit Saisonmitte) haben einen guten Schritt gemacht. Macholda wirkte etwas langsamer, bei dem Highspeed-Stil vielleicht auch logisch. Kramer ist fix. Davidek und Cook waren oft die Alleinunterhalter beim Toreschießen, mit Rajala hat man einen klassischen Vorbereiter gewonnen, jedoch mit viel Luft nach oben. Rinkinen schmorte zu oft draußen, zeigte in den Playoffs abermals, wie wichtig er sein kann, aber Stewart scheint vielleicht die Mentalität und den Charakter stärken zu wollen und ihn bewusst zu kitzeln. Letztlich ist ihm das auch gelungen, wenn es seine Intention war. Ob Rinkinen aber eine Option bleibt oder überhaupt bleiben will, wird sich zeigen. Da es auch in der kommenden Spielzeit nur 4 Kontistellen zu vergeben gibt, wird man noch mehr auf Spitzenqualität setzen, den Markt noch stärker sondieren und auch bei der Goalieposition noch aktiver sein, um ein neues Tribünenproblem zu vermeiden. Zudem wird der Markt an deutschen Ü-Spielern aufgrund der aufgelockerten Ü-Regelung größer. Daher dürfte gerade dort ein großes Hin und Her stattfinden. Einige Spieler haben den nächsten Schritt nicht gemacht, stagnierten oder haben gar enttäuscht oder sind abgetaucht, andere haben sich dafür massiv ins Schaufenster gestellt. Besonderes Augenmerk gilt sicher der Centerposition.

Wie es beim Thema Förderlizenzen weitergeht, wird auch dafür entscheidend sein, wie man den Kader letztlich ausrichtet. Köln dürfte wegfallen, da Gerüchte um eine Ehe zwischen Köln und Frankfurt nicht abreißen. Es bleibt abzuwarten, ob man es schafft, bezahlbare Youngster zu verpflichten oder eine neue fruchtbare Partnerschaft bzw. Kooperation einzugehen, immer vorausgesetzt, Köln verlängert nicht doch noch das Engagement. Eine Abhängigkeit zu einem DEL-Standort vermeiden zu können, wäre aber der nächste große Schritt hin zum Spitzenclub, natürlich ohne dabei den Rahmen der Sanierung aus den Augen zu verlieren.

Stewart arbeitet an einer Art Selbstverständnis, wie es alle Topteams und Clubs haben. Eine unbedingte Siegermentalität a la Steelers und Co.. Wozu er fähig ist, zeigt sich da bereits nach 15 Monaten Tätigkeit, auch wenn man dem Mann oft anmerkt, dass die DEL2 eigentlich nicht die Heimat ist, die er bevorzugt. Er fühlt sich unwohl und zeigt seine damit verbunden Unzufriedenheit auch. Er will deutlich mehr, hoch hinaus und genau mit diesem Anspruch hat er binnen kurzer Zeit Eishockey-Dresden mehrheitlich infiziiert. Daher sind wir kritischer, erwarten mehr, genau wie er. Doch so eine Mentalität ist nicht nur mit Finanzen verbunden, sondern auch mit benötigter Zeit und Charakterköpfen, die sie leben. Ein grenzwertiger Spagat, den es zu meistern gilt, wenn man sich langfristig für Stewart entscheidet oder bereits entschieden hat. Zudem klafft noch eine große Lücke zwischen neuem Anspruch und Ist-Zustand. DEL-Träume haben wir jedenfalls nicht. Betonung liegt auf "Wir" (Mehrheit der treuen Fans). Möge es so bleiben, auch wenn Stewart definitiv das Oberhaus als eigenes sportliches Ziel definiert hat.

Es wird ein spannender Sommer, in welchem sich abzeichnen wird, wo die Reise hingehen soll. Wir sind keine großen Fans von Stewart, aber haben ja letztlich auch keinen Einfluss darauf, welches Konzept für den Standort erarbeitet und für sinnvoll erachtet wird. Die zum Teil verloren gegangenen Werte des Dresdner Eishockeys gilt es wieder zu beleben, eine Identität zu schaffen und ob dabei dieser hohe Anspruch förderlich ist, bleibt zumindest fraglich und abzuwarten. Andererseits kokettieren wir ja gern mit der sowieso stets von außen vorgeworfenen Überheblichkeit und Arroganz und wenn Schnabel den Kurs der Gesundung mit sportlichem Erfolg kombinieren kann, ohne die Fans komplett ausbluten zu lassen, könnte die Identitätsfindung schneller gehen, als gedacht. Gleiches gilt aber auch für einen endgültigen Identitätsverlust.

Für uns ist das Wichtigste, eine Mannschaft auf dem Eis zu sehen, die sich in jedem Spiel zerreißt und 100% mit dem Standort identifiziert. So etwas schafft Bindung, Nähe und Zusammenhalt. Keine Floskeln, Autogrammstunden, Meet & Greets oder Grillpartys haben die Kraft, die das pure Eishockeyspiel in sich bürgt, wenn es die richtigen Charaktere gemeinsam auf das gefrorene Wasser bringen. Kaufbeuren war dafür ein perfektes Beispiel.

Wir bleiben gespannt. Wünschen allen Eislöwen einen guten Sommer ohne Theater, egal wo es auch aufgeführt werden könnte und setzen unseren eingeschlagenen Weg im Austausch mit der BG und der aktiven Szene fort. Hoffentlich fruchtbar und nicht furchtbar. In diesem Sinne...

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