Montag, 16. Oktober 2017

Is it October yet?!

Eine erste Zwischen-Bilanz nach 10 Spieltagen...

Nach 10 Spieltagen bietet es sich immer an, das erste Mal Bilanz zu ziehen und das Team im Ligavergleich zu bewerten. Mit derzeit 17 Punkten steht man in der unbereinigten Tabelle auf einem guten fünften Platz. Man konnte bislang an jedem Wochenende punkten, mindestens je einen Sieg einfahren und steht derzeit bei einer ausgeglichenen Bilanz von 5 Siegen und 5 Niederlagen. Offensiv und defensiv kann man ligaweit gut mithalten. Mit 32 erzielten Toren liegt man im Liga-Durschnitt (Platz 6), lässt aber sogar nur die viertwenigsten Gegentore zu. Nur Bad Nauheim, Frankfurt und Bietigheim sind defensiv noch sicherer aufgestellt. Aber der Eindruck ist etwas trügerisch, denn Dresden lässt die mit Abstand meisten Schüsse des Gegners zu. 400 Schüsse sah Marco Eisenhut in bislang zehn Saisonspielen auf sein Tor zufliegen, was exakt 40 gegnerische Abschlüsse pro Partie bedeuten. Gut, dass die Eislöwen selbst auch zu den "schussgeilsten" Mannschaften gehören und nach Frankfurt den Puck am häufigsten auf das gegnerische Gehäuse zimmern (354 Mal). Effektiv ist man dabei jedoch nicht. Nur jeder 11. Schuss findet den Weg ins Tor, was Platz 12 in der DEL2 bedeutet, doch dafür findet auch nur jeder 15. Abschluss den Weg vorbei an Eisenhut ins Dresdner Netz. Bestwert der Liga. Der Garant dafür ohne Zweifel der Goalie selbst. Er ist nicht nur der Schlussmann mit den zweitmeisten Einsatzminuten, er kassiert die meisten Schüsse, wehrt aber auch die meisten ab und kann die beste Fangquote der Liga vorweisen.

Die Eislöwen stellen also den derzeit besten Torhüter der gesamten Liga und führen in einigen weiteren Kategorien, so auch im Unterzahlspiel. Mit 90,7% vereitelten gegnerischen Powerplays liegt man deutlich vor dem Großteil der Liga. Einzig Freiburg kann aktuell einen ähnlich guten Wert vorweisen. Auch das Powerplay kann sich statistisch sehen lassen. Fast 21% der Überzahlspiele führen zum Torerfolg, wenngleich das Team dabei auch immer wieder untypische Tore per Konter erzielt. Damit ist Dresden ligaweit auf einem guten 5. Rang zu finden. Betrachtet man die Effizienz der Special-Teams im Gesamten, so steht man mit 111,8% nur knapp hinter Meister Frankfurt an zweiter Stelle. Schaut man auf die Strafenbilanz, so hat man sich nicht nur auf das gute Penalty-Killing verlassen, sondern auch an der Disziplin gearbeitet. Mit 11,2 Strafminuten pro Spiel rangiert man im Mittelfeld der Liga und hat es bislang vor allem vermieden, große Strafen zu kassieren. Doch trotz der vielen guten Werte zieht es nur 2.087 Zuschauer zu den Heimspielen der Eislöwen. Die Gründe sind vielschichtig, doch die Preispolitik dürfte das größte Argument für viele Interessierte sein, fernzubleiben und nur ausgewählte Spiele zu besuchen. Ligaweit reiht man sich mit dem Schnitt auf Platz 10 ein und liegt sogar noch hinter den beiden sächsischen Rivalen, die allerdings auch bereits je ein Heimderby bestritten haben.

Schaut man nun auf die Einzelspieler, so fällt das starke Kollektiv ins Auge. Jeder Kaderspieler hat nach 10 Spieltagen bereits gepunktet. Zehn Spieler haben 5 oder mehr Scorerpunkte erzielt. Das Team ist schwer auszurechnen, da jede Reihe Torgefahr ausstrahlt. So fehlt vielleicht ein überragender Importspieler, aber der Kader ist dafür durch die Bank hindurch gleichwertig besetzt. Topscorer ist wenig überraschend dann auch ein Deutsch-Österreicher und damit kein Kontingentspieler. Alexander Höller trägt mit 10 Punkten den Goldhelm und ist damit in der DEL2-Topscorerwertung nur auf dem geteilten 21. Platz zu finden. Doch anders als eben Heilbronn, ist das Team nicht von einer speziellen Reihe abhängig und somit eine homogene Waffe. Mit Thomas Pielmeier hat man zudem einen der besten Bullyspieler der Liga in den eigenen Reihen. Mit 60,25% gewonnenen Anspielen zählt er zu den besten 6 Centern der Liga und konnte zuletzt sogar beim Scoring zulegen. Auch Nick Huard zählt zu den besseren Bullykünstlern, während Rupprich, Höller und Rajala etwas abfallen. Besonders Rajala fällt dabei ins Auge. 30 Pflichtspiele bestritt der Finne mittlerweile für die Eislöwen und steht immernoch bei 2 Toren. Seine 26 Assists sind dagegen ein guter Wert, doch für einen Spieler seiner Klasse ist das dennoch zu wenig. Das er lieber vorbereitet, ist bekannt, aber 2 Tore bei 63 Schussversuchen ist ein trostloser Wert (31,5 Schüsse für ein Tor). In Bad Nauheim benötigte er zum Vergleich immerhin nur 8 Versuche für einen Torjubel. Unsere schusswütigsten sind übrigens Garten und Davidek mit 36 bzw. 35 Abschlüssen. Davidek ist zudem mittlerweile auch der beste Torschütze der Mannschaft mit 5 Treffern. Danach folgen Garten, Grafenthin und Siddall mit je 4 Toren. Insgesamt haben bereits 14 verschiedene Spieler für Dresden getroffen.

Die offensivstärksten Verteidiger sind derzeit Kapitän René Kramer und Neuzugang Shawn Boutin mit 6 bzw. 4 Scorerpunkten. Boutin gibt zudem die mit Abstand meisten Schüsse ab und konnte sich zuletzt auch defensiv deutlich steigern. In der Plus/Minus-Wertung vermisst man einen gewissen Mirko Sacher. Den besten Wert liefert mit Sebastian Zauner aber wenig überraschend ein Verteidigerkollege. Die anfälligsten Akteure sind wenig überraschend Huard und Rajala. Negativ ragt neben dem Verletzungspech derzeit vor allem Juuso Rajala heraus. Auch bei Tomas Schmidt sind noch zu viele Scheibenverluste im Spiel. Positive Überraschungen sind die drei neuen U-Spieler Glemser, Walther und Schiemenz. Vor allem Schiemenz ist einer der spielstärksten Akteure im Kader. Technisch hochbegabt, wirbelt er jetzt bereits mit Nick Huard in einer Reihe. Glemser ist dagegen der bullige, direkte Stürmer, der beständig Chancen erarbeitet, viel Körper aufs Eis bringt und effektiv abschließt. Herausheben kann man auch Dominik Grafenthin, der nach einer eher schwachen letzten Saison wieder an vergangene Zeiten anknüpfen kann und derzeit zum Topscorer aufsteigt, der übrigens schon 3 Game-Winner für sich verbuchen konnte. Über alle Zweifel erhaben ist zudem Goalie Marco Eisenhut, der schon nach zehn Spielen der neue Publikumsliebling in Elbflorenz geworden ist.

Fasst man es zusammen, so ist man mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern trotz noch bestehender Probleme stark in die Saison gestartet. Man punktet fleißig, agiert als Einheit und sieht auch dank des Trainers ein eingeschworenes Kollektiv, welches in Bestform enormes Tempo auf die Kufen bringt und jeden Gegner schlagen kann. Man hat zwei Zähler mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt der letzten Spielzeit und steuert derzeit im Bereich des Saisonzieles. Ein Problem kann nur die dünne Personaldecke werden. 2 Topverteidiger fehlen und Petr Macholda muss man wohl eine ganze Spielzeit ersetzen. Hier bleibt abzuwarten, ob zeitnah noch einmal nachverpflichtet wird und ob vielleicht noch ein Kontingentspieler gehen muss, um Platz für einen neuen zu schaffen. Einen weiteren deutschen Stürmer zu finden, dürfte im Vergleich zu einem Verteidiger die leichtere Aufgabe sein. Denkbares Szenario: Rajala weg, neuer Importverteidiger her + neuer deutscher Stürmer dazu. Da Steer aber normalerweise nicht für Schnellschüsse bekannt ist, ist nicht mit einer Harakiri-Aktion zu rechnen. Bleibt man von weiterem Verletzungspech verschont, kann man sich mit Kassel, Bad Nauheim, Kaufbeuren, Ravensburg, Riessersee und Co. um die Plätze 3-10 balgen, dürfte aber gute Chancen auf die direkte Playoff-Teilnahme haben. Top 6 ist keine Utopie, sondern absolut möglich.

Bilanz in Zahlen

Spiele: 10
Punkte: 17
Punkte/Spiel: 1,7 (6.)
Platz: 5

Tore: 32 (6.)
Gegentore: 28 (4.)
Schüsse: 354 (2.)
gegnerische Schüsse: 400 (1.)
Strafminuten: 112 (7.)

Überzahl: 20,9% (9/43, 5.)
Unterzahl: 90,7% (5/54, 1.)
Gesamteffizienz: 111,8% (2.)

Goalie in Zahlen (Eisenhut)

Fangquote: 93,22% (1.)
Saves: 371 (1.)
Gegentore: 27
Gegentorschnitt: 2,69 (7.)
Minuten: 601:56 (2.)
Siege: 5 (3.)

Feldspieler in Zahlen

Top-Scorer: 10 (Höller), 8 (Huard und Grafenthin)
Tore: 5 (Davidek), 4 (Siddall, Garten, Grafenthin)
Vorlagen: 7 (Höller, Rajala), 6 (Huard)
Top-Rookie: 6 (Glemser), 5 (Schiemenz)
Top-Verteidiger: 6 (Kramer), 4 (Boutin)
Plus/Minus: +3 (Zauner, Grafenthin), 2 (Davidek, Glemser, Rupprich)
Bullyquote: 60,25% (Pielmeier), 55,9% (Huard)
gespielte Bullys: 195 (Huard), 161 (Pielmeier)
gewonnene Bullys: 109 (Huard), 97 (Pielmeier)
meiste Schüsse: 36 (Garten), 35 (Davidek)
Powerplay-Tore: 2 (Höller), 1 (7 weitere Spieler)
Unterzahl-Tore: 0
Strafminuten: 14 (Huard), 12 (Boutin)
spielentscheidende Tore: 3 (Grafenthin), 1 (Davidek, Glemser)

Zuschauer in Zahlen

Zuschauer gesamt: 10.436 (9.)
Zuschauerschnitt: 2.087 (10.)
Top-Besuch: 2.408 (vs. Kaufbeuren)
Flop-Besuch: 1.762 (vs. Heilbronn)

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