Montag, 9. April 2018

Kein Applaus nach Schnabel-Aus!

Gedanken zu den möglichen Hintergründen und Folgen...

Ein neuer Impuls. Darum soll es also in erster Linie gehen und Volker Schnabel hätte von sich aus darum ersucht, den Club zu verlassen. Das kann aus unserer Sicht nach einigen Tagen des sacken lassens allerdings nicht die ganze Geschichte sein. Daher versuchen wir für euch die ganze Thematik etwas zu beleuchten und nach unseren Möglichkeiten zu bewerten.

Als Schnabel Ende März 2014 in Dresden auftauchte, stand der Club dank Misswirtschaft und unglücklicher Umstände (Dachproblematik) kurz vor dem Aus und musste vor der Stadt um Erlass bzw. Stundung der Schulden betteln. Schließlich war es nicht zuletzt mit der Personalie Schnabel verbunden, dass die Stadt der Bitte nachkam und folglich von Schnabel auch nicht enttäuscht wurde. Über 4 Saisons wurde das Sanierungskonzept überwiegend umgesetzt und Schnabel führte den Club im kaufmännischen Bereich aus dem Sumpf und hatte auch sportlich immer wieder ein gutes Händchen, wenngleich 3 Trainer in 4 Jahren eine etwas zu hohe Fluktuation darstellen. Bei allen Verdiensten fehlte Schnabel sicher etwas das Gefühl dafür, Fans dauerhaft mitzunehmen und eine große Identifikation mit dem Club zu schaffen. So schrumpfte die Fanbasis, während die Eventis Zulauf erhielten. Finanziell natürlich ein Gewinnsummenspiel bei allerdings stagnierender Zuschauerzahl und immer kleiner werdender Basis. Man könnte auch sagen, der finanzielle Aufschwung führte zum Stimmungsabsturz und Rückschritt in der emotionalen Wertigkeit des Clubs in der regionalen Wahrnehmung. Das allein darf aber eigentlich kein Grund für einen derart großen neuen Impuls sein, da man auch Schnabel einen sportlichen Part an die Seite hätte stellen können, oder als Gesellschaft Ziele im Clubprofil schlicht hätte einfordern können. Zudem vermittelte Schnabel noch vor Saisonbeginn eher den Tatendrang, sich in Dresden ein kleines Denkmal zu setzen, indem er eine Ära prägt. Doch nun das sehr plötzliche Ende.

Somit scheint eher wahrscheinlich, dass man nach einer etwas ernüchternden Saison doch in eine Form des Aktionismus verfallen ist und urplötzlich alles in Frage stellt. Dabei war sicherlich auch nicht hilfreich, dass man 2017 die ergebnistechnisch beste Hauptrunde der Zweitliga-Clubgeschichte abgeliefert hat, ohne aber sonderlich zu überzeugen, was viele vergessen haben. Sofort waren die alten Ansprüche und Rufe nach Meisterschaft und DEL wieder da und Aussagen von Spielern und Trainer wurden ebenfalls gern dafür überinterpretiert. So verkommt schon nach einem Ausreißer nach oben Platz 8 zur Katastrophe und es entsteht ein negativer Grundtenor im Umfeld, der auch Stadt und Sponsoren nicht verborgen geblieben ist.

Das nun der Verein in Form von Präsident Peter Micksch plötzlich in den Vordergrund drängt, ist interessant. Man bekommt das Gefühl, der Verein möchte sich seinen Club, sprich die GmbH einverleiben und eine Art Profilierung vollziehen. So ist es auch nicht überraschend, dass mit Walsdorf und besonders Barth eine interne Doppel-Lösung auf Geschäftsführerebene favorisiert wird. Sicherlich keine unfähigen Leute, im Gegenteil, aber bislang nicht mit Erfahrung in der Clubführung im Profibereich ausgestattet und daher ein gewisses Risiko. Zudem dürfte auch die Stadt mit Aufmerksamkeit verfolgen, was gerade im Club geschieht. Der Verein hält eigene und treuhänderische Gesellschafteranteile, liefert aber keine große Kapitaleinlage und möchte doch mehr und mehr bestimmen. Das ist zum einen natürlich positiv ambitioniert, aber kann auch ein gefährliches Spiel für die Zukunft bedeuten. Auch das etwaige Beschwören alter, teurer Geister der Marke Capla wäre aus unserer Sicht kein Schritt in die richtige Richtung, wobei der Mann immerhin für die Pflege und Wahrung von Club-Identität steht, aber dazu müsste erst einmal eine Identität vorhanden sein, sprich kreiert werden.

Auch steht nun wieder unfreiwillig die Zukunft des Trainers (zumindest ansatzweise) in Frage, obwohl er trotz sicherlich vorhandener Schwächen, die allerdings jeder Trainer in einem bestimmten Bereich mit sich bringt, gut zum Standort passt. Zudem den eigenen Nachwuchs fördert, was dem Verein kaum missfallen dürfte und in gewisser Weise frischen Wind nach Dresden gebracht hat, auch wenn einige seine Arbeit nach nur einem Jahr beinah gänzlich zerreißen oder zumindest erheblich in Frage stellen. Der vierte Trainer in 5 Saisons wäre sicherlich kein Zeichen des Weiterschwimmens in ruhigem Fahrwasser, sondern eher das Verstärken einer Sturmwelle, welche längst geritten schien. Gerade im sportlichen Bereich braucht es mehr Kontinuität auf Schlüsselpositionen, um mittel- und langfristigen Erfolg zu generieren und zu garantieren.

Eine Rückkehr zur reinen Selbst-Profilierung und Ego-Pflege auf Kosten eines Clubs hätte daher keine Gewinner zur Folge, sondern würde einen Rückfall in alte Zeiten bedeuten und damit auch dem durch Schnabel endgültig entronnenen Chaos wieder Einhalt gebieten. Daher bleibt einfach nur zu hoffen, dass man im Sinne des Vereins, der GmbH, der Sponsoren und vor allem auch der Fans die erarbeitete Ruhe beibehalten kann und solide weiterarbeitet, sowohl kaufmännisch als auch sportlich.

Jetzt kurzfristigen Erfolg zu erzwingen, um zu hohen Ansprüchen nachzujagen, könnte eine verheerende Wirkung begünstigen und uns schneller ins Jahr 2014 zurück verfrachten, als uns allen lieb sein kann. Der Ansatz jedoch, die Fans wieder besser abzuholen und die Basis zu stärken ist durchaus lobenswert. Hoffen wir also das Beste und auf eine Fortsetzung der ruhigen Zeiten in Elbflorenz, wo doch aktuell mit der Lizenzierung, der laufenden Bewerbung um den Auf- und Abstieg, der Caterer-Ausschreibung, der Kaderplanung und der Neuverhandlung des Mietvertrages für die Halle mit der Stadt einige große Aufgaben und Hürden bewältigt werden müssen, die (un)mittelbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität der Profiabteilung und aufgrund bestehender Kooperationen auch auf die Basis des Vereines haben dürften.

Haltet den Kurs Eislöwen!

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