Mittwoch, 11. April 2018

Neuer Impuls oder mittleres Erdbeben?

Verunsicherung statt Ruhe...

Nach einer nicht sonderlich erfolgreichen Saison alles so zu lassen wie es ist, hilft meist nichts, aber alles zu verändern ist auch kein sicherer Schlüssel für Erfolg. So könnte man es kurz und bündig zusammenfassen.

Die Steer-Kritiker dürften jubeln, haben bekommen was sie wollten oder doch nicht? Der große Trainername mit Erfahrung wurde nicht präsentiert und überhaupt muteten die letzten 6 Tage an wie starker Aktionismus, der allerdings von langer Hand geplant war. Warum man in dem Ausmaß und der Kürze den Umsturz von Strukturen und Kompetenzen initiiert und wie Spötter sagen würden, eine Billig-Variante installiert, die noch sehr teuer werden kann, ist die Kernfrage, die zunächst aber aufgrund leerer Worthülsen ohne Details unbeantwortet blieb.

Wir werden jetzt nicht vorab urteilen, dafür aber kritisch hinterfragen. Jeder hat eine faire Chance verdient und es gibt genug Beispiele an verschiedensten Standorten, dass sich No-Names zum großen Glücksfall entwickeln können, nur die Frage der Dringlich- und Notwendigkeit stellt sich gerade jetzt in Verbindung mit vielen weiteren Fragen.

Daher möchten wir auf die getroffenen Entscheidungen und die jeweilige Ursache bzw. Wirkung eingehen.

1. Volker Schnabel

Kaufmännisch braucht man nur zu erwähnen, dass der Club die letzte Rate an die Stadt zurückzahlen wird und damit innerhalb von vier Jahren das Sanierungskonzept erfüllt hat. Klarer Verdienst von Schnabel und auch den Fans, die die Preispolitik mehrheitlich, wenn auch gezwungenermaßen, mitgetragen haben. Sich eines für den Standort derart wichtigen Mannes jetzt so plötzlich "zu entledigen", spricht Bände und man kann nur hoffen, dass man Schnabel in der neuen Saison zum ersten Heimspiel noch respektvoll und mit Würde vor den Fans in der Halle verabschiedet, denn das hat er bei allen differenzierten Ansichten in bestimmten Bereichen mehr als verdient. Er hat dem ganzen Standort und damit auch dem Stammverein den A... gerettet. Daher kann man sicher fragen, ob der Rücktritt die Gesellschafter bewegt hat, über eine Neuordnung nachzudenken, oder eher aufgrund der Gedanken einer Neuordnung Schnabel der Rücktritt nahegelegt wurde, weil er sehr wohl eine klare Richtung gegangen ist, die aber wohl nicht auf Gegenliebe gestoßen ist.

2. Franz Steer

Bewertet man nur die sportliche Saison, wurde das Ziel nicht erreicht. Nüchtern betrachtet, kann man also aufgrund dieser Tatsache eine Trennung vollziehen. Jedoch ist auch bekannt, dass man langfristig etwas aufbauen wollte und Steer als Macher eingeplant war. Die Voraussetzungen in der Premierensaison waren nicht rosig, aber er hat sich dafür entschieden, die Aufgabe anzunehmen, was ihm aber leider aufgrund vieler Begleitumstände und auch dank eines unruhigen Umfeldes schnell um die Ohren geflogen ist. Die jetzt vollzogene Trennung hat keinen Stil und reiht sich ein in den bekannt würdelosen Umgang mit Personal in Dresden, welches mehrheitlich wie ein Wegwerfarktikel behandelt wird. Dies sollte sich grundliegend ändern, wenn man die Basis wieder für sich gewinnen und Identifikation schaffen möchte. Das nun Molling eher für Nachwuchsförderung und schnelles Spiel mit 4 Reihen steht als Steer ist zudem etwas unglaubwürdig. Steer stand wie kein Zweiter für die Entwicklung junger Spieler, was man auch in dieser Saison beispielsweise bei Schiemenz, Walther und Eisenhut beobachten konnte. Man kann sich natürlich dennoch trennen, sollte dies aber in einem anderen Stil vollziehen. Klar ist auch, dass nur mit dem Wegfall von Schnabel eine Trennung zu verkaufen war. Das dieser Angebote hat und sich nun andernorts orientiert, ist nur zu verständlich und bringt abermals zum Ausdruck, welch hohe Reputation er in diesem Sport genießt.

3. Maik Walsdorf und Thomas Barth

Wir werden sie erst einmal arbeiten lassen und dann nach 100 Tagen ein erstes Fazit ziehen. Denn dann dürfte die Lizenzierung ebenso durch sein, wie der Großteil der Kaderplanung und die Verhandlung mit der Stadt über diverse Themenbereiche wie Catering und Stadionmiete. Sicherlich sind beide Dresdner und daher durchaus Personen mit regionaler Bindung und Identität, aber sie sind auch Neulinge im Profibereich. Natürlich gibt es hier genügend Beispiele für Erfolg, aber bei der Geschichte des Dresdner Eishockeys bleibt einfach immer eine berechtigte Skepsis, vor allem da man in allen Bereich plötzlich auf den Nachwuchs setzt. Bislang wurde zudem noch nicht klar definiert, welche Aufgaben die jeweilige kaufmännische und sportliche Tätigkeit umfasst. Ein klares Konzept wurde noch nicht nach außen getragen. Wir hoffen dennoch das Beste und werden das ganze mit euch beobachten, weil uns sowieso nichts anderes übrig bleibt.

4. Jochen Molling

Auch bei Molling gibt es natürlich genügend Beispiele, dass Neulinge direkt erfolgreich arbeiten können. In der DEL2 zuletzt zum Beispiel die Namen Unterluggauer oder Söderholm, die definitiv zu nennen sind. Doch der Punkt ist, dass mit Steer und Schnabel gleich zwei alte Hasen gewichen sind, die natürlich über unzählige Kontakte und ein gewisses Ansehen verfügen, was sie über Jahre erarbeitet und gepflegt haben. Molling ist ein großer Name im deutschen Eishockey, aber halt als Spieler. Dies beinhaltet keine Garantie für die Trainerlaufbahn. An Kontakten sollte es bei einem Spieler mit 7 WM- und einer Olympiateilnahme sowie über 600 DEL-Pflichtspielen dennoch nicht mangeln. Zudem konnte er an der Seite von Stewart und Steer bereits DEL2-Luft schnuppern und genießt als verdienter Top-Spieler den Respekt der aktiven Spieler. Wenn es ihm gelingt, seinen Stil zu finden und mit seiner Mannschaft aufs Eis zu bringen, kann das Risiko belohnt und eine erfolgreiche sportliche Zukunft kreiert werden. Auch hier gilt schlicht: "Daumen drücken!"

5. Gesellschaft

Die Fans wieder mehr ins Boot holen und im ruhigen Fahrwasser bleiben? Nun, mit derart weitreichenden Änderungen ist die Ruhe erst einmal vorbei, auch wenn man mit der Vertragsverlängerung von Reed und der Meldung zur letzten Rate an die Stadt etwas billig dagegen zu steuern versuchte, was auch die Vertragsverlängerung zur Nebensache verkommen ließ. Leider ist innerhalb von 6 Tagen bei der Fanbasis das 4 Jahre durch Schnabel aufgebaute Vertrauen in die Geschäftsführung arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele sind nun verunsichert. Der Dauerkartenverkauf dürfte nicht so laufen wie zuletzt.

Reden wir von der Gesellschaft, fällt zudem immer nur ein Name. Peter Micksch. Das erzeugt Bauchschmerzen. Eine einzige Person, die im Namen des Vereins vor allem treuhänderische Anteile hält und kein großes Kapital einbringt, zeigt sich plötzlich in einer starken Machtposition und installiert 3 junge, formbare Gefolgsleute. Wir übertreiben bewusst, aber das ganze bürgt vor allem aufgrund unserer Vergangenheit eine gewisse Brisanz und lässt zumindest ein internes Netzwerk vermuten. Es wird von Impulsen und Neuausrichtung geredet, doch wie soll das genau aussehen? Neue Personen allein reichen nicht. Wie sieht das Konzept aus? Ausgerechnet jetzt, da man die Stadt aus dem Fokus "rausgekauft" hat, steht viel auf dem Spiel. Sportlich will man mehr auf den Nachwuchs setzen. War das mit Steer nicht möglich? Wofür stand er denn, wenn nicht dafür? Wie werden die 2 wichtigen Positionen im Nachwuchs jetzt besetzt? Kann man Sponsoren wie Pneuhage, die vor allem dank Schnabel eingestiegen sind, halten? Gelingt es endlich, einen taktisch und perspektivisch sinnvollen neuen Gesellschafter zu installieren, nachdem mehrere Vorschläge abgelehnt wurden, oder fühlt man sich in der Machtrolle wohl und versucht bewusst, diese zu wahren? Dazu die offenen Fragen bei Catering, Stadionmiete, Auf- und Abstieg, Merchandising, einer längst nicht mehr zeitgemäßen Becheraktion und vielem mehr.

Um jetzt nach und nach Ruhe zu erzeugen und neues Vertrauen zu gewinnen, braucht es eine äußerst gewissenhafte Arbeit. Dazu zählt auch, ehrlich zu sein, niemanden an der Nase herumzuführen, klare Fakten zu schaffen und gerade im Umgang mit Personal einen anderen Stil zu pflegen. Die Dresdner Eislöwen sind derzeit die ungeliebte Stiefmutter, wenn es um Ehrung, Dankbarkeit und den Oberbegriff Emotion geht. Auch das kann Spieler davon abschrecken, überhaupt den Schritt nach Dresden zu gehen und zudem Fans verprellen. Man ist Meilen davon entfernt, jemanden emotional an den Club zu binden, was nicht nur in der Politik von Schnabel begründet liegt. Herzlos Willkommen in der schönsten Stadt der Welt. Marius Garten kann wie viele andere auch sicher ein Lied davon singen. Man kann nur hoffen, dass man sich vieler Baustellen annimmt, ohne aber Elbflorenz an einem Tag einzureißen und neu erbauen zu wollen. Es darf vor allem keinen wirtschaftlichen Rückschritt oder Rückfall geben. Die Stadt gehört als wichtiger Partner und Kontroll-Organ in die Gesellschaft integriert, um im Umfeld Vertrauen zu schaffen und es gilt ein klares Konzept zu verfolgen und nicht das zu vollziehen, was man bei Schnabel in gewisser Weise angeprangert hat. Während in der freien Wirtschaft Firmen Konzepte erarbeiten, um aus Kunden Fans zu machen, läuft es im Eishockeysport gegenteilig, weil man glaubt, nur noch Eventcharakter vermitteln zu können und damit Einnahmen zu generieren. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Menschen wollen wieder Teil von etwas sein, einer Gemeinschaft, einer Idee, einer Leidenschaft, etwas Dauerhaften. Gelingt dies in Verbindung mit der notwendigen wirtschaftlichen Stabilität und sportlichen Entwicklung, ist es möglich, eine langfristig rosige Zukunft zu gestalten.

6. Stammverein

Innerhalb einer Woche verliert der Nachwuchs zwei wichtige Personalien und muss die freien Positionen zeitnah neu besetzen (Geschäftsführung und Cheftrainer DNL) und dabei auch gewissenhaft vorgehen, da auch im Nachwuchs hohe Hürden zu meistern sind. Vielleicht gelingt es, ein Zugpferd wie Petr Macholda zu installieren, auf jeden Fall aber kompetente Kräfte zu finden und zu binden und den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, ohne sich über die Kooperationsvereinbarung hinaus bei der GmbH bedienen zu müssen. Zu viele interne Lösungen bringen leider immer auch den Verdacht einer möglichen öffentlichkeitsfernen Vetternwirtschaft zu Gunsten des eigenen Profils mit sich. Der Standort muss im Vordergrund und Mittelpunkt stehen, egal ob im Nachwuchs- Amateur- oder Profibereich. Auch hier gilt das Prinzip Hoffnung und die klare Chance, diese mit Leben zu füllen.

Wir sind skeptisch, aber geben natürlich den Verantwortlichen die Chance, sich zu beweisen, die Skepsis wegzuwischen und die Anerkennung aller zu verdienen. Bleiben aber dabei, dass eine Neuausrichtung eines Konzeptes nicht zwingend auch eine personelle Veränderung auf allen Führungsebenen nach sich ziehen muss.

Mal wieder heißt es im April quo vadis Eislöwen und wir sind gespannt, ob wir elbab- oder aufwärts steuern werden. Um das Wort Hoffnung nicht zu inflationär zu gebrauchen: Auf gehts Löwen!




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