Mittwoch, 23. Mai 2018

Mehr Freiheit oder mehr Abhängigkeit?

Eislöwen krallen sich Westminster und ein "Jordanisches" Duo!

Unter Volker Schnabel hieß es immer, dass viele kleine Sponsoren besser sind als ein großer. Nun hat man beides. Der Gewinn von Westminster als Hauptsponsor bietet dem Club ein nicht zu verachtendes sechstelliges Plus, jedoch nur dann, wenn man Westminster nicht als Ruhekissen ansieht, sondern weiterhin den vorhandenen Pool pflegt und bestenfalls erweitert. Nur so kann man langfristig von einem Hauptsponsor profitieren und zwingt sich nicht in unnötige Abhängigkeiten.

Mit Westminster hat man einen Sponsor gewonnen, der im Sport sehr aktiv ist und vor allem als Hauptsponsor des DEB Bekanntheit in der Eishockeyszene erlangt hat. Die Affinität zum Nachwuchs kommt auch den Eislöwen zu Gute, da sich Herr Ziburske mit seinem Unternehmen auch als strategischer Partner im Stammverein engagieren wird. Das ein derart finanzstarkes Unternehmen natürlich nicht zum reinen Spaß an der Freude einsteigt, versteht sich von selbst. Der Markt soll genutzt werden, um sich über sportlichen Erfolg und eine gute Infrastruktur noch besser zu vermarkten und über das Sponsoring zu profilieren. Dabei ist es für die Gesellschaft der Eislöwen sicher kein Nachteil, Herrn Ziburske als Anteilseigner gewonnen zu haben, der fortan 15% der Anteile des Stammvereins übernimmt. Keine Mehrheit, aber ein wichtiger Input und aufgrund der Gewinnorientierung sicherlich kein Freifahrtschein für Harakiri.

Das Westminster im kleineren Rahmen auch bei der westsächsischen Konkurrenz verankert ist, macht zuweilen wenig Sorge im Sinne eines womöglichen Interessenkonfliktes. Da die Partnerschaft in Dresden zunächst auf ein Jahr ausgelegt ist, jedoch die Ambition aller beinhaltet, langfristig am Standort zusammenzuwachsen, kann sich schon nach einer erfolgreichen Saison einiges verändern, auch das weitere Sponsoring in Westsachsen. Ziburske gilt mitunter als "Mini-Mateschitz" und wird als ebenso dominant dargestellt, doch wenn man schaut, was der böse Red Bull Konzern im Eishockey an Entwicklungsarbeit leistet, allein schon durch die eigene Akademie, kann ein derart engagiertes Unternehmen eigentlich nicht schaden. Solange sich die Marke Westminster eigenständig produziert und den Dresdner Eislöwen die Freiheit gewährt, die eigene Identität zu entwickeln und zu pflegen, gibt es keinen Grund, vorab negative Horrorszenarien zu zeichnen.

Was ist und zunächst auch bleibt, ist ein junges Team mit einem jungen neuen Gesellschafter und der allumfassenden Frage des vielleicht zu großen Mangels an Erfahrung. In einem Jahr werden wir auch dahingehend schlauer sein und sollten zunächst allen Verantwortlichen die Möglichkeit geben, sich unser Vertrauen zu erarbeiten.

Die einzig wirklich finanziell relevante und vielleicht auch etwas besorgniserregende Frage stellt sich derzeit aber wohl durch die Personalie Franz Steer. Steer besitzt einen Vertrag bis 2019 und dieser wurde bislang weder aufgehoben noch abgefunden. Somit wäre es etatbezogen sicherlich von Vorteil, zeitnah eine Lösung zu finden, um nicht unnütz wichtiges Kapital zu verbrennen. Wir hoffen auf eine effektive Lösung und eine baldige offizielle Meldung im Sinne des Clubs und des ehemaligen Trainers, den man wenig würdevoll vom Hof gejagt hatte.

Zum Sportlichen. Mit dem Jordan-Doppelpack hat man sicherlich auch dank Westminster zwei richtungsweisende Transfers tätigen können, die den Dauerkartenverkauf ankurbeln, die Vorfreude auf die neue Spielzeit stärken und auch eine Ansage an die Konkurrenz bedeuten dürften.

Jordan Knackstedt:

Der Deutsch-Kanadier kann durchaus als DEL2-Transfercoup des bisherigen Sommers bezeichnet werden, da ein derartig vielseitiger Topscorer mit deutschem Pass sonst ziemlich sicher in der DEL landet. Knackstedt hat nicht nur in Crimmitschau sondern auch über Jahre in der AHL seine Qualitäten bewiesen. Ein guter Spieler brauch nur andere gute Spieler um sich herum und er wird funktionieren. Dies sollte in Dresden gegeben sein. Mit Knackstedt, MacLeod, Reed, Davidek und Höller hat man nun bereits 5 potenzielle Top-Scorer im Offensivbereich vorzuweisen. Dresden dürfte also breiter und torgefährlicher aufgestellt sein, als man es in der vergangenen Spielzeit war. Das Knackstedt auf dem Flügel und auf der Mittelstürmer-Position eingesetzt werden kann, macht ihn noch wertvoller und aufgrund seines deutschen Passes ist es sogar denkbar, dass man zunächst darauf verzichten wird, alle Importstellen zu besetzen.

Knackstedt war viertbester Scorer der DEL2, punktete in 4 Spielen gegen die Eislöwen insgesamt 8 mal, zeigte sich treffsicher im Powerplay, robust im Körperspiel, brachte stets Energie auf das Eis und ist rein körperlich eine Erscheinung, die Eindruck hinterlässt. Dass er als eigentlicher Flügelstürmer eine starke Bullyquote aufweist und trotz größerer Qualitäten als Vorbereiter auch über eine hohe Schusseffizienz verfügt, schadet sicher nicht und macht den Angriff deutlich flexibler. Zudem wusste Knackstedt im Gegensatz zu Czarnik auch in den Playoffs zu überzeugen, ist da wenn es zählt und stellt qualitativ eine enorme Verstärkung im Kader dar. Ob dies auch auf die menschliche Komponente zutrifft, bleibt abzuwarten. Mit allein 13 Arbeitgebern in den letzten 7 Jahren ist der Ex-Pirat nicht gerade der Inbegriff eines Spielers, der sich mit einem Standort identifiziert, jedoch kann sich sowas am richtigen Flecken Erde auch schnell ändern. Ein Fragezeichen bleibt so aber zumindest bestehen.

Jordan Heywood:

Mit Jordan Heywood haben die Eislöwen auf dem Papier die fehlende Torgefahr der Verteidiger im letzten Jahr auf einen Schlag getilgt. Heywood ist zwar kein klassischer Blueliner, aber ein spielstarker Offensivverteidiger mit ausgeprägtem Torinstinkt und könnte in die Fußstapfen von Mirko Sacher treten. Der Kanadier war zuletzt Kapitän in Heilbronn und erzielte gleich zwei Game-Winner gegen die Eislöwen, war zudem eine der prägenden Heilbronner Figuren, Dresden in die verfrühte Sommerpause zu schicken. Heywood ist ein Leader, hat sich in der DEL2 bewiesen und ist neben seiner offensiven Qualität auch ein starker Verteidiger. Mit 16 Toren in 59 Spielen war er in der abgelaufenen Spielzeit einer der treffsichersten Verteidiger der DEL2, steuerte insgesamt 40 Scorerpunkte bei und war einer der Hauptgründe, dass Heilbronn nach langer Zeit wieder die Playoffs erreichen konnte. Jordan Heywood besetzt die dritte von vier Importstellen bei den Eislöwen und möglicherweise vorerst auch die letzte. Das Problem des fehlenden klassischen Blueliners wird er nicht lösen, aber das Powerplay und Offensivspiel deutlich verbessern. Ob man noch einen Blueliner verpflichtet, bleibt abzuwarten, da man ähnlich wie mit Kirsch in Heilbronn auch auf einen schussstarken Stürmer zurückgreifen könnte, der diese Position ausfüllen kann.

Mit Knackstedt und Heywood hat man auf jeden Fall ein Statement gesetzt und das soll längst nicht das letzte gewesen sein. Weitere hochkarätige deutsche DEL2-Stürmer sind im Gespräch. Kaliber wie Billich, Stas, Reimer oder Schlager, Sedlmayer und Zientek scheinen dabei wohl am ehesten das Anforderungsprofil zu erfüllen. Ein Driendl wäre wohl utopisch. Wir dürfen dennoch gespannt sein, was noch passieren wird.

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