Montag, 27. August 2018

Schwer zu sehen, wo wir stehen...

Topgegner decken alle Schwächen auf!

Zeigen aber auch bereits die Qualitäten des Teams in der Pre-Season. Wir haben für euch die bisherige Vorbereitung durchleuchtet und liefern euch eine erste Einschätzung, wenngleich es schwerfällt, eine Bewertung abzugeben, nachdem man in den bisherigen Spielen nie mit voller Kaderkraft agieren konnte und stets auf Teams traf, die auf 8 bis sogar 12 Importspieler (Nottingham = 12 Nordamerikaner) bauen durfte.

Wir werden auf die irrelevanten Ergebnisse nicht eingehen, dafür aber die Inhalte der Spiele bewerten, denn solche Ergebnisse wie gestern oder beim 10:0 der Oltener gegen Bad Nauheim haben keinerlei Aussagekraft für die DEL2-Saison.

Tor:

Eisenhut wird von Spiel zu Spiel stärker, kassierte aber einige unglückliche Dinger, die jedoch nicht zwingend als Patzer angekreidet werden können. Dennoch fehlt trotz vieler Glanzparaden gegen Volldampf-Offensiven noch etwas Konstanz und er ließ sich mitunter durch starkes Diagonalspiel zu weit aus dem Torraum ziehen.

Stefaniszin erwischte gegen Glasgow einen Sahnetag, dem gegen Krefeld eine unsichere Leistung folgte. Auch bei ihm fehlt die Konstanz und etwas Ausstrahlung. Dazu kam, dass die Mannschaft vor ihm auch zum Teil sehr unaufmerksam agierte.

Für beide Goalies gilt, dass sie noch mehr Rhythmus brauchen und vor allem auch etwas mehr Erfahrung und Ordnung vor sich. Stabilität und Konstanz sind die Überschriften an der Tafel der nächsten Schulwochen.

Abwehr:

Ausgerechnet Top-Neuzugang Jordan Heywood wirkte zunächst wie ein Fremdkörper, kassierte Minus um Minus und kurbelte mit Turnovers eher die gegnerische als die eigene Offensive an. Beim Turnier fehlte er wie Hanusch wegen Verletzung bzw. Krankheit und konnte sich so nicht beweisen. Doch man merkte dem Team sichtlich an, dass die zwei spielstärksten Defender fehlten. Das Aufbauspiel wirkte ungenauer und die Defensive insgesamt ungeordnet, was aber bei den starken Gegnern in Kombination mit 3 DNL-Verteidigern in den eigenen Reihen schnell erklärt ist. So konnten Uplegger, Heyter und Ribnitzky aber direkt ins kalte Wasser springen und wichtige Seepferdchen-Erfahrungen machen. Die übrigen Stammkräfte ließen sich mitunter aber anstecken, was abgestellt werden sollte. Gerade ein Routinier wie Kramer darf da gern mit sicherem Passspiel, vor allem in der eigenen Zone vorangehen.

Die Defensive muss noch zusammenwachsen, Ordnung und System verinnerlicht werden und es darf halt keiner ausfallen. Zudem müssen sich die Talente weiter an das Level gewöhnen und Routine entwickeln, wofür die Tests gegen die Eliteteams Nottingham, Bremerhaven und Krefeld sehr hilfreich waren. Das Defensive im Eishockey immer auch die Offensivspieler mit einbezieht, versteht sich von selbst. Auch da gab es im Positionsspiel noch teils zu große Lücken, allerdings auch schon sehr positive Eindrücke im Backcheck. Besonders Spieler wie Billich und Palka werden da aufgrund ihrer Geschwindigkeit eine wichtige Rolle spielen. Die defensive Stabilität ist und bleibt Mollings größte Baustelle, was aber auch am Anfang zu erwarten war.

Sturm:

Gegen Erstligisten spielt man sich zwar keine 20 Torchancen heraus, doch wenn man die Offensivzone besetzt hat, wurde es auch überwiegend produktiv. Gutes Kombinationsspiel, besonders der Reihe um Knackstedt und Reed, viel Speed, aber auch ein überlegtes Passspiel war zu beobachten. Es werden weit weniger unnütze Schusspositionen für Abschlüsse gesucht. Man spielt geduldig und doch zielstrebig, schafft es mit klugen Diagonalpässen selbst erfahrene Abwehrreihen, wie die der Fischtown Pinguins in Unordnung zu versetzen und erspielt hochprozentige Einschussmöglichkeiten. Es fehlt noch etwas an Timing beim entscheidenden Pass und in der Reihe um Höller und Huard schlicht ein Davidek. Aber lieber jetzt als in der Hauptrunde. Die U-Spieler haben kein Problem mit dem Tempo, müssen aber logischerweise noch gedankenschneller und entscheidungsfreudiger werden, um weniger Fehler und Scheibenverluste zu produzieren. Da nimmt sie aber "Onkel" Rupprich zuweilen schon gut an die Hand. Die Offensive wird das Prunkstück sein, wenn alle mitziehen und fit bleiben.

Special Teams:

Das Penalty-Killing hat natürlich noch viel Potenzial, da auch hier das gesamte Defensivproblem greift, zudem hatte man es bislang überwiegend mit Topgegnern zu tun, die über hohe individuelle Klasse und ein stabileres Zusammenspiel verfügen. Dennoch kann man auch gegen stärkere Gegner besseres Unterzahl spielen, was wiederum das Powerplay beweist.

In Überzahl ist es nämlich bereits in der Vorbereitung gelungen, ein sehr variables und effektives Spiel umzusetzen. Selbst einem Laien fällt die neue Gewichtung auf. Die Zone wird nicht mehr stumpf auf festen Positionen umkreist. Starke Pässe, schnelle Wechsel, individuelle Positionierung und keine verschwendeten Abschlüsse. Selbst wenn nicht immer ein Tor herausspringt, gelingt es beständig, klare Torabschlüsse zu kreieren. Dazu kommt die hohe individuelle Klasse der Akteure. Besonders Reed und Knackstedt zeigen eine unglaubliche Präsenz und Harmonie, aber auch Pielmeier und Rupprich, der gefühlt schon am Playoffmonster-Saft genippt hat, sind wichtige Faktoren. Die fast 50%ige Erfolgsquote wird sich natürlich nicht konstant halten lassen, aber das Powerplay ist auf dem Weg, eine echte Stärke zu werden, zumal ein Schlüsselspieler wie Heywood noch nicht einmal eine entscheidende Rolle eingenommen hat. 10 Überzahl-Tore in vier Spielen gegen Eliteteams sind beachtlich und kein Zufallsprodukt.

Fazit:

Offensiv wird man viel Spaß machen, allerdings nur, wenn man defensiv stabiler agiert. Knackstedt ist nicht nur elegant, sondern bereits jetzt Topscorer mit 1,75 Punkten pro Spiel, wohingegen Heywood gefühlt noch im Flugzeug sitzt. Am auffälligsten neben Reed, Knackstedt, Billich und Pielmeier war bislang Steven Rupprich, der fast überall zu finden ist, verschiedenste Rollen ausfüllt und andeutet, nochmals eine Schippe draufzupacken.

Die Talente brauchen sicher noch zehn Spiele, um die notwendige Sicherheit zu gewinnen und ein wenig Routine zu bekommen, zeigen aber allesamt schon genug Niveauansätze, um über kurz oder lang DEL2 spielen zu können. Arne Uplegger dürfte nach aktuellem Stand die 6. Stammposition in der Verteidigung einnehmen.

Wenn man in den nächsten Tests weiter zusammenwächst und defensiv an Ordnung gewinnt, braucht keiner vor dem Saisonstart Panik schieben. Gerade zu Beginn wird die offensive Power helfen, Siege einzufahren, bevor auch in der Hauptrunde traditionell die Defensive die Oberhand gewinnen wird.

Mit der Ordnung haben übrigens derzeit alle Teams zu kämpfen, entscheidend wird nur sein, wer sie am schnellsten findet. Wir hätten nix dagegen, sollten wir das sein.

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